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Mystik, Gottessuche durch stille Erfahrung - Mystik als ein stiller Weg zur unwissenden Erfahrung Gottes. Betrachtungen eines Gott-Suchenden auf einem mystischen Weg hin zu Gott

Mystik - Gottessuche der Stille

Wissen ist für den neugierigen Menschen eine wahre Bereicherung, hätte es nicht die Eigenschaft, mit wachsendem Masse den Glauben zu verdrängen. So ist auch die Metapher vom Baum der Erkenntnis zu verstehen.
Als Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis assen, begannen sie rational zu denken, sie begannen zu analysieren und zu hinterfragen und je mehr sie glaubten zu verstehen und doch nicht verstanden, umso mehr verloren sie den Glauben und umso mehr zweifelten sie an dem, was sie noch nicht verstanden. Denn sie hatten ihrem Wissen einen so hohen Wert zugesprochen, dass Hochmut in ihnen entstand und dieser Hochmut zwang sie schlussendlich, alles zu leugnen, was nicht zu verstehen ist, weil dies als Zeichen des Unwissens ihre vermeintliche Würde herabgesetzt hätte.
 
Das 'Wissen um das Unwissen' anzuerkennen ist deshalb der erste Schritt zur Gotteserfahrung, es ist ein Ablegen der Ursünde, eine Rückkehr zum wahren Glauben.
 
Denn wer glaubt zu wissen, hört auf zu Staunen und wer nicht staunt, hat keine Ehrfurcht und ohne Ehrfurcht ist keine Demut und ohne diese, ist jeder Glaube vergebens.
 
Aus der Erkenntnis des Nichtwissens resultiert die Mystik, der religiöse Weg der davon ausgeht, dass Gott niemals verstanden sondern bestenfalls erfahren werden kann. Mystik geht davon aus, dass unser Verstand uns nur ein Hindernis sein kann in der Gotteserfahrung, weil unser begrenztes Wissen uns mit Zweifeln zerfrisst und so wahre Demut verhindert.
 
Infolgedessen lehnt der mystische Weg auch jeglichen Dogmatismus ab, weil Glaube nicht normiert werden kann und weil jedes Dogma aus vermeintlichem Wissen postuliert wird.
Mystik besagt, dass Gott grösser ist, als all unsere Worte auszudrücken vermögen und dass er zu gross ist, als unser Wissen ihn auch nur dem Schein nach verstehen könnte.
Deshalb geht der mystische Weg ungewohnte Pfade und fordert eine persönliche Erfahrung mit Gott.
 

Strophen zu einer Entrückung hoher Beschauung

Ich trat ein, wußte nicht wo,
und blieb unwissend,
alles Wissen übersteigend.

Ich wußte nicht, wo ich eintrat,
aber als ich mich dort sah,
unwissend, wo ich mich befand,
begriff ich große Dinge;
ich werde nicht sagen, was ich empfand,
da ich unwissend blieb,
alles Wissen übersteigend.
 
Vom Frieden und von der Frömmigkeit
war es vollkommenes Wissen,
in tiefer Einsamkeit,
in Einsicht des rechten Weges,
war es eine so geheimnisvolle Sache,
daß ich stammelnd verharrte,
alles Wissen übersteigend.
 
Ich war so hingerissen,
so versunken und entfremdet,
daß meine Sinne
jede sinnliche Wahrnehmung verloren,
und der Geist sich beschenkt fand
mit einem nichtverstehenden Verstehen,
alles Wissen übersteigend.
 
Wer wahrhaft dorthin gelangt,
wird an sich selber irre,
alles, was er früher wußte,
scheint ihm recht gering,
und sein Wissen mehrt sich derart,
daß er unwissend bleibt,
alles Wissen übersteigend.
 
Je höher man steigt,
umso weniger verstand man,
daß es die dunkle Wolke ist,
die die Nacht erhellte;
deshalb bleibt, wer sie erfuhr,
unwissend,
alles Wissen übersteigend.
 
Dieses nichtwissende Wissen
ist von so hoher Mächtigkeit,
daß die Weisen mit ihrem Folgern
es nie meistern können,
denn ihr Wissen reicht nicht hin,
nichtverstehend zu verstehen,
alles Wissen übersteigend.
 
Und von so großer Erhabenheit
ist dieses höchste Wissen,
daß es weder Fähigkeit noch Wissen gibt,
die es umfassen könnten;
wer sich selber zu besiegen wüßte
durch ein nichtwissendes Wissen,
der wird sich immer übersteigen.
 
Und wenn ihr es hören wollt:
Diese höchste Wissenschaft
besteht in einem erhabenen Empfinden
für die göttliche Wesenheit;
es ist Werk ihrer Barmherzigkeit,
daß man nichtverstehend ausharrt,
alles Wissen übersteigend.
 
(Johannes vom Kreuz)


Wer diesen Weg gehen möchte, dem empfehle ich an folgende Bücher:
 
Mystik für Anfänger.
(Adolf Holl)

ISBN 3-7831-2325-9

Verwundet bin ich und aufgehoben.
(Pierre Stutz)

ISBN 3-466-36623-2

Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers.
(Herausg: Emmanuel Jungclaussen)

ISBN 3-451-04947-3

Philokalie.
(Überlieferungen der östlichen Mönchsväter)

ISBN 3-927894-37-0
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Christlicher
Osten

Kleine Philokalie
Betrachtungen der Mönchsväter über das Herzensgebet

ISNB 3-545-20309-3

Von Wunder der Seele.
(Meister Eckhart)

ISBN 3-15-007319-7

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